Motiv der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg; Illustration: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, JUNG:Kommunikation GmbH

PARLIEREN UND SCHWÄTZEN

Sprache verbindet Nationen: erstaunlich, wie viele Worte aus dem Französischen in die deutsche Sprache übernommen worden sind. Noch interessanter ist es, dass diese Worte häufig mit Essen und Trinken, Wohnen, Kultur und Kleidung zu tun haben. Stöbern Sie selbst!

Baiser

„Oh, das ist wie ein Kuss!“ Dies soll die englische Königin verzückt beim Kosten des gezuckerten Schaumgebäcks ausgerufen haben. So erhielt es angeblich seinen Namen: le baiser – der Kuss. Großer Beliebtheit erfreute sich das Schäumle bzw. die Meringue ebenfalls am Hof des Königs Ludwig XV. von Frankreich.

Fontäne

Die Fontäne ist das Zentrum des Brunnens in einem barocken Schlossgarten. Das Pumpsystem, das mit dem nötigen Druck den Wasserstrahl gen Himmel trieb, stellte eine enorme technische Herausforderung dar. Was man im Schlossgarten Weikersheim schaffte – alle Wasserspiele zu betreiben – gelang in Versailles nicht!

Schloss und Schlossgarten Weikersheim, Herkulesbrunnen vor Schloss; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Krawatte

Eine Legende erzählt, das Männeraccessoire verdanke seinen Namen dem Halstuch kroatischer Soldaten: Dem französischen König Ludwig XIV. hätten die elegant geschlungenen Tücher bei einer Parade 1663 gefallen – und der Adel habe schnell die Mode übernommen. Tatsächlich trugen Soldaten schon im Dreißigjährigen Krieg ähnliche Halsbinden. 

Quiche

Der Name verrät die Herkunft: Quiche bezeichnet in Lothringen einfach – Kuchen. Von hier stammt die originale Quiche Lorraine, deren Füllung aus Speck, Sahne und Eiern besteht. Heute gibt es unzählige Abwandlungen des lothringischen „Kichel“, die aus der deutschen Küche nicht mehr wegzudenken ist.

Tête-à-Tête

Bei einem „Tête-à-Tête“ werden, wörtlich genommen, die Köpfe zusammengesteckt – der französische Ausdruck bezeichnet eine vertrauliche Unterredung. Im 18. Jahrhundert nannte man auch ein Frühstücksservice für zwei Personen so.

Keramikmuseum Ludwigsburg, Dejeunerservice des Prinzen Paul, 1813; Foto: Landesmedienzentrum Württemberg, Hendrik Zwietasch und Peter Frankenstein

Tête-à-Tête

Bei einem „Tête-à-Tête“ werden, wörtlich genommen, die Köpfe zusammengesteckt – der französische Ausdruck bezeichnet eine vertrauliche Unterredung. Im 18. Jahrhundert nannte man auch ein Frühstücksservice für zwei Personen so.

Soße

Schon das deutsche Wort stammt vom französischen „sauce“. Und sämtliche klassischen Soßenrezepte kommen aus der französischen Küche: ob Sauce béarnaise, bordelaise oder hollandaise – für jedes Gericht gibt es die passende. 

Accessoire

In der Mode ist es ein ganz geläufiges Wort – auch im Deutschen: Mit einem Accessoire bekommt jede Garderobe den letzten Schliff, egal, ob Handtasche oder Schmuckstück. Das Accessoire ist in der Welt der Mode alles andere als bloßes Beiwerk – dabei lässt sich das französische Wort als „nebensächlich“ übersetzen.

Perücke

Volle Haarpracht galt seit jeher als jugendliches Schönheitsideal. Um seinen schütteren Haarwuchs zu verbergen, führte der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. den künstlichen Schopf ein, die „peruque“. Er prägte damit ein modisches Muss für fast ein Jahrhundert – und auch das bis heute gültige Wort dafür. 

Schloss Schwetzingen, Puderkammer; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Tobias Schwerdt

Fondant

Der Fondant ist eine Zuckerpaste, die in Deutschland vor allem als Kuchenüberzug oder als Material für Osterkonfekt bekannt ist. In Frankreich kennt man auch den „fondant au chocolat“, einen Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern – bon appétit!

Savoir-vivre

Leben wie Gott in Frankreich: Bei „savoir-vivre“ denkt man in Deutschland an gutes Essen und die Kunst des angenehmen Lebens. Dabei meint der Ausdruck im Französischen etwas ganz Anderes: gute Manieren!

Kabinett

Ein Kabinett ist ein kleiner, oft kostbar ausgestatteter Raum und Teil der Raumfolge eines höfischen Appartements im Barock. Zutritt hatten nur die engsten Vertrauten. Daraus entwickelte sich das Kabinettsystem: Der absolutistische Monarch, allen voran der Sonnenkönig Ludwig XIV., machte mit einem Kreis von Beratern – Politik im kleinen Zimmer.

Residenzschloss Rastatt, Schreibkabinett; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Amüsement

Feste, Jagden, prächtig inszenierte Stücke auf der Bühne – alles diente dem Amusement an den barocken Fürstenhöfen. Auch Gesellschaftsspiele galten als Mittel gegen die Langeweile. Selbst einmal amüsieren wie ein König? Bei der „Soirée Royale in Schloss Ludwigsburg lassen sich die Lustbarkeiten an den barocken Höfen nachempfinden. 

Velours

Ein Stoff für die Sinne: Velours bezeichnet eine Webart, die einen Stoff mit flauschiger Oberfläche erzeugt. Auch der kostbare Samt zählt dazu und findet mit seiner schimmernden Oberfläche als königlicher Stoff in den Schlössern vielfache Verwendung.

Palais

Baukunst und Sprache – beides war im Barock französisch geprägt. Kein Wunder also, dass sich das Wort „Palais“ für ein Schloss in der Stadt einbürgerte und später zur Bezeichnung für alle eindrucksvollen Privathäuser wurde. Das Wort gab es schon einmal: Im Mittelalter hatte man das Wohnhaus einer Burg als „Palas“ bezeichnet.

Burg Rötteln, Überreste des Palas; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Champagner

Champagner – der Inbegriff des französischen Savoir-vivre ist benannt nach seinem Anbaugebiet im Nordosten Frankreichs. Das druckresistente Gefäß dafür wurde in Baiersbronn im Schwarzwald erfunden: die Glasflasche mit gewölbtem Boden.

Fisimatenten

Noch vor einer Generation war es eine übliche Warnung: Mach keine Fisimatenten. Die Herkunft des Ausdrucks hat viele Erklärungen, eine führt in die Zeit der napoleonischen Kriege. Es soll die Einladung an die einheimischen Mädchen gewesen sein, einen Blick ins Soldatenzelt zu wagen:„Visitez ma tente!“ Dem Klang nach ins Deutsche übernommen, wurde der Ausdruck zu einer Mahnung.

Toilette

„Toilette“ – das war im 18. Jahrhundert der Begriff für Körperpflege und das Anlegen der Kleidung. Es war die höchste Auszeichnung, der Morgentoilette einer Person des Hochadels beizuwohnen. Erst sehr viel später wurde daraus der Name für den Raum, in dem die Notdurft verrichtet wird.

Schloss Bruchsal, Beletage, Appartement Amalie von Baden, Frisiertisch und Standspiegel um1820; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Prise

Dahinter verbirgt sich das französische Verb „prendre“, also „nehmen“. Zunächst verwendete man das Wort für im Seekrieg eroberte Beute, später übertrug man es auf die Menge, die sich mit zwei Fingern nehmen lässt – etwa bei Gewürzen oder Schnupftabak.

Arrangement

Eine Ehe als Arrangement – das hört sich nicht gerade nach dem Traum einer romantischen Vermählung an. Doch das Arrangieren von Ehen als vorteilhafte Bündnisse war Tagesgeschäft an den Höfen. Kleiner Trost: Braut und Bräutigam hatten beide nur selten ein Mitspracherecht.

Soiree

In der Soiree steckt bereits die Tageszeit, zu der sie stattfindet: der Abend („soir“). Gemeint ist die elegante Abendgesellschaft. Nach einem ausgewählten Diner vergnügte man sich bei Tanz und Theater oder Spiel. Königliche Unterhaltung gefällig? Diese Gelegenheit bietet die „Soirée Royale“ im Residenzschloss Ludwigsburg.

Residenzschloss Ludwigsburg,"Soirée Royale" im Residenzschloss Ludwigsburg; Foto:Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Norbert Stadler

Bordeauxrot

Ein sattes Dunkelrot – das ist die Farbe Bordeaux, benannt nach dem Wein aus der Stadt im Südwesten Frankreichs. Dass Farben nach einer Stadt oder Region benannt sind, gibt es nicht oft.

Vis-à-vis

Vis-à-vis – von Angesicht zu Angesicht: so nannte man Kutschen, bei denen sich die Sitze gegenüberlagen. Kein Wunder, dass der Name heute bei Cafés verbreitet ist – seinen Kaffee trinkt man schließlich am liebsten Vis-à-vis.

Mätresse

Außereheliche Beziehungen waren bei Hofe der Standard – nicht nur bei den Männern. Berühmt ist die „maîtresse en titre“ oder „maîtresse régnante“, die offizielle Begleiterin des französischen Königs. Mit ihrer Macht kam sie der wörtlichen Übersetzung – Mätresse bedeutet „Hausherrin“ – sehr nahe. Eine bekannte Mätresse am württembergischen Hof war Wilhelmine von Grävenitz.

Wilhelmine von Grävenitz; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

Chapeau!

Als der Hut noch ein Standard der Männerkleidung war, konnte er „gezogen“ werden, zum Grüßen oder vor Begeisterung. Dann ließ sich die Geste mit dem Ausruf „Chapeau!“, dem französischen Wort für Hut, begleiten. Die historische Vielfalt der Männerhüte gibt es im Modemuseum Ludwigsburg zu sehen.

Kanapee

Sie sind auf jeder Party willkommen. Doch wie kommt das Häppchen zu seiner französischen Bezeichnung, die, übersetzt als „Sofa“, doch etwas fremdelt auf dem Buffet? Die Erklärung: Der – hoffentlich delikate – Belag des Häppchens sitzt auf der Brotscheibe wie auf der Couch.

Bankett

Das Bankett ist ein Festmahl zu Ehren eines hohen Besuchs. Dahinter steckt ursprünglich die französische „banque“, auf der man sich nach der Abendmahlzeit noch eine kleine Nach(t)speise genehmigte. Wie grandios man sich im Barock ein Bankett der Antike ausmalte, zeigt eine Tapisserie im Schloss Bruchsal.

Schloss Bruchsal, Ausschnitt aus Tapisserie Festmahl; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten, Arnim Weischer

Skandal

Der französische „scandale“ bezeichnete ursprünglich ein Ärgernis. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Skandal aber bald zur Bezeichnung für eine Liebesaffäre, Verstöße gegen die Sitten – und schließlich Tabu-Verletzungen in der Kunst!

Fauxpas

Ein falscher Knicks, ein unangebrachtes Wort – am Hof war der „falsche Schritt“ schnell geschehen und schon sah man sich dem Spott der höfischen Gesellschaft ausgesetzt. Da half nur eines: das strikte Befolgen der strengen Etikette. 

Solitude

„Einsamkeit“: So nannte Herzog Carl Eugen sein Schloss Solitude, das er auf den Hügeln Stuttgarts errichten ließ. Das war üblich: Die Nebenschlösser trugen fast durchweg französische Namen, etwa „Favorite“ (Liebling) oder „Sanssouci“ (sorgenfrei). Eingesessene Schwaben allerdings sprechen bis heute hartnäckig von der „Soledi“.

Schloss Solitude, Luftaufnahme; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Mayonnaise

Bereits ihr Name gibt Auskunft über die Zubereitung. Darin steckt das französische „mailler“, zu Deutsch „schlagen“. Genau dies wird mit Eigelb, Öl und Zitronensaft getan: Sie werden geschlagen, bis eine aromatische Creme entsteht. Wie fein das schmeckt, ist vor lauter Fastfood-Sauce ganz vergessen.

Bassin

Ein Wasserbecken, in geometrischer Form angelegt, das die Schönheit von Schloss und Umgebung spiegelt: Das Bassin war ein wesentlicher Bestandteil einer barocken Gartenanlage, zu sehen in den Schlossgärten von Schwetzingen und Weikersheim.

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Petra Schaffrodt